Sowohl als auch

Es ist Freitag. Im Moment den Tag zu wissen, ist bei mir nicht mehr inklusive. Die Woche kriege ich auch nicht mehr zusammen. Das ging alles schon einmal besser. Das könnte jetzt negativ sein, ist es aber nicht. Denn, es hat sich viel getan. Bin immer froh, dass ich schon immer jeden Kram aufschrieb, da kann ich also nachforschen, was ich wann tat. Kontext?

Erstmal, ich bin sehr, wirklich sehr dankbar, für all die lieben und vor allem hilfreiche Kommentare. Ich bin diese Woche innerlich mehrfach eskaliert, vor den Profis eskaliert. Und am Ende verstehe ich mehr.

Dieser Beitrag könnte ein wenig wirr werden, meine Konzentration reicht nicht für Innen und Außen.

Am Montag bin ich bei meiner Therapeutin eskaliert, ich muss gestehen seit dem Tag fällt mir auf, wie viele Lücken ich habe. Das ist im Prinzip nicht neu, doch die füllten sich wenigstens immer wieder. Im Moment bleiben sie, somit muss ich mich am Tag des Öfteren auf Spurensuche begeben. Komme mir dabei schon blöd vor. Nunja.

Ich kann mich an die Therapie auch nicht so recht erinnern. Was eher ungünstig ist. Ich glaube ich bin munter meine Alterstufen durchgesprungen. Es war wirr. Ich habe meiner Therapeutin vor der Sitzung eine Mail geschrieben und denke mir gerade bei dem Inhalt, oh ha. Nun gut, jetzt ist es raus. Musste wohl auch. Die Krönung war, dass ich ihr einen Briefumschlag hinpfefferte mit dem Wissen bezüglich ehh ja… Se*** Miss***. Jahre. Inklusive Glaubenssätze, die eher Aussagen aus dem Innen sind und auch nicht. Dann irgendwie Arbeiten, durchdrehen, Tavor, Arbeiten und wieder durchdrehen.

Von „Da war nichts“, über „du spinnst“, bis hin „er tut es schon wieder“ und „Warum hörst du mir nicht zu?“, war da echt alles aktiv. Das ich das auch noch alles aktiv mitbekomme, das nervt am Meisten. VERRÜCKT

Doch ich muss mir auch ein paar Dinge eingestehen. Ich habe lange sehr gut funktioniert und ausgeglichen. Doch es fällt auf. Meine Freunde bemerken Wechsel, die ich sonst nur in mir spürte. Sie merken es. Super. NICHT.


Eh letzte Woche sprach mich meine Ärztin auf eine detailierte Erinnerung an, nicht den Inhalt, nur die Überschrift und auf ein Gespräch. Ich wusste weder von dem Gespräch, noch von dem Inhalt. Das ist jetzt nicht so neu, doch meist kriegen das Profis nicht so mit, wie gesagt ich habe Lücken, schon lange, doch die fühlen sich meist wieder. Es kam bisher immer wieder. Diesmal nicht. Ich weiß auch nicht mehr warum eigentlich, doch ich habe einen Papiertresor, dass was mir bezüglich Miss*** einfiel, schreibe ich auf und stecke es einzeln in Briefumschläge. Ich konnte da bis jetzt ohne Probleme auch dran. Nun waren und sind im Tresor aber zwei oder drei Briefumschläge, die ich selbst geschrieben habe. Doch weder der Inhalt, noch dass ich es geschrieben habe, kann ich erinnern. Und die Lücke füllte sich auch nicht. ICH DREH DURCH

Seit diesem Abend, füllen sich meine Alltagslücken nicht mehr. Meist handelt es sich um Gespräche mit Mitmenschen. Ich kann so oft die Gespräche und deren Inhalte nicht erinnern. Wem habe ich was und wann erzählt, wer weiß was und was weiß ich eigentlich. Ich hielt mich immer für naja, schusselig, irgendwas sagt mir aber, dass es das nicht ist.

Faden verloren

Das Ende vom Lied war, dass meine Therapeutin Anteile meinte, Ego States und dass wir eine Landkarte machen und dass sie meine Ärztin anrufen wird.

Bis Donnerstag dann, drehte ich immer weiter ab und ja da half auch kein Tavor mir. Das Ich, Wir, Du, Er, Ihr und Uns springt im Kopf munter hin und her, gepaart mit dem Schrei, was habe ich bloß, DU WILLST DOCH NUR AUFMERKSAMKEIT

Donnerstag bin ich dann wieder zu meiner Ärztin, da dieses Wirr warr auf der Arbeit immer mehr zum Hindernis wird und da es eine Maßnahme einer Behindertenwerkstatt ist, wollen die Menschen mir ja helfen. Super Vorwand, um alle Zweifel weg zu drücken und zur Ärztin zu gehen. Es hat mich zwei Stunden gekostet, um zu formulieren, was ich möchte. Am Ende konnte und durfte ich nicht reden, gut, dass der Zettel da war -,-

Meine Ärztin hatte da schon mit meiner Therapeutin gesprochen.

Fazit? Ich habe Anteile. Und ja ich bin traumatisiert, auch wenn mir das gerade wie ein Witz vorkommt. Nun. Ja ich höre Stimmen aus dem Innen und eine oder zwei davon sind nicht meine. Ich stehe also gerade doof neben mir in mir oder was auch immer. Doch eben auch nicht immer. Oder doch… Keine Ahnung.

Gerade finde ich es sehr lustig, ich habe meine Ärztin um Erlaubnis gebeten mit diesen Anteilen reden zu dürfen. Einfach, weil ich das sonst nicht darf, weil das ja sonst aufbauschen und hysterisch wäre. Und überhaupt.

Ich meine sie hat mir die Erlaubnis erteilt ….


Ich möchte an der Stelle für mich was erkennen. Ich habe Borderline und einen histrionischen Anteil. Da ich eine kleine Analytikerin bin, ist es für mich aber so, das BPS mit und ohne Trauma entstehen kann. Für mich ist es eher so, als wäre die Basis des Borderline bei mir traumabedingt, dadurch eine andere. Als würde da eben noch etwas drin stecken, oder eher hinter.

Ärztin und Frau Thera ist die Diagnose in erster Linie nicht wichtig, sie sind sich einig, dass ich traumatisiert bin und mit den Anteilen umgehen lernen muss. Ich habe das Empfinden, als hätten da beide eine andere Haltung, als die Klinik. Ich kann, wie vergissmeinnicht so schön sagte, einen Anteil mit Skills NICHT weg skillen. Ich kann meine Gefühle regulieren sicher, doch keine Innenanteile. Ich habe beschlossen da einen Punkt zu machen. DBT hilft hier dennoch, wenn ich es geschickt anstelle und weiche Skills nehme. Es kommt eben dann doch immer auf die Situation an.

Ich denke meine ambulanten Profis, sehen die Sache sehr hilfreich und klar und werden mit helfen können. Meine Thera ist ausgebildete EMDR Therapeutin und arbeitet auch in einer Klinik unter der Woche, neben der Praxis. Sie ist sehr fähig und ja ich denke sie sieht die Dinge klar. Dass ich Borderline habe, zweifle ich auch nicht an. Das passt einfach. Nur eben auf die 30ig Järhgie nicht. Ich finde es noch immer unpassend mich als ein Wir zu sehen, doch phasenweise ist dies eben so. Ich habe keine Ahnung, wohin die Reise geht. Nur wenn ich ehrlich bin, sprach ich schon als Kind nicht von einem Ich, sondern einem Wir. Ich weiß nur, was ich nicht bin. Ich bin nicht für eine Schublade gemacht und DIS habe ich sicher nicht. Dafür sind die Lücken zu klein. Doch ein echter Einsmensch bin ich auch nicht. Dafür komme ich mir zu oft zu fremd vor.

Ich lese gerade ein Buch zu Ego States. Was mich sehr fasziniert und mir auch hilft. Jedes Ich besteht aus Anteilen, dass ist bei gesunden Menschen völlig Normal. Weil jeder Mensch andere Rollen hat. Ein Metallhead auf Wacken, kann ebenso auch Banker sein und auch Vater. Das sind alles Facetten. Nur sind meine Facetten eben voneinander gesprengt. Wie weit und wie tief das geht weiß ich nicht. Ich weiß, dass da Anteile sind, die eigentständiger sind, die nach vorne springen können, die mit mir reden, doch eben auch nicht immer. Manchmal bin ich einfach nur ein Ich. Doch manchmal auch nicht. Und da sich das gerade munter wechselt, kann ich es auch nicht greifen. …

Doch ich weiß, dass meine Helfer ambulant das greifen können. Erstaunlich ist auch, was passiert,  wenn ich wirklich die Anteile zulasse und zuhöre, rede und interveniere. Ich kann sie dann sehen, fühlen, spüren. Und dann gehen sie wieder schlafen. Ich finde das gerade ganz spannend.

Vielleicht rede ich nur wirr und bin irre…… Vielleicht darf ich das auch nicht schreiben, vielleicht darf ich das alles nicht sehen und fühlen. Du darfst das nicht.

…………. Ach ja schön, wenn man sich so uneinig ist. Doch ich fühle, dass dies ein Weg ist, ein Schlüssel zu einem Rätsel, von dem ich nicht einmal wusste, dass es da ist.

Meine Ärztin sagt mir oft einen Satz. In mir ist dieses „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“ Sie meint auch, dass ich es eben nicht mehr weg dissoziiere. Ich glaube, dass war ein zu kurze Woche für zu viel Inhalt. Dass muss jetzt erstmal durch alle Alterstufen rutschen, damit ich das ständig parat habe. ….Wie das klingt….

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WICHTIG: Mail gelöscht

Huhu ihr lieben Leser,

als ich in der Klinik war, oder kurz davor, erreichte mich eine lange und nette Mail, mit viel Hilfe und Mitgefühl. Danke dafür. Ich kam noch nicht dazu zu antworten, irgendwie schienen mir meine Worte nie passend. Jetzt habe ich mein Mailfach geleert und weg ist….

Wenn das der liebe Absender liest, bitte schick mir die Mail zu, damit ich dir Antworten kann. Ich möchte nicht, dass du denkst, dass mir die Mail egal sei..

Ich Trottel Alice

Müde und zu klein

Seit ich weiß nicht wann, ist es so, dass ich mich so klein fühle. Immer mal wieder. Einfach so. Klein, hilflos, allein und verloren. Gerade gegenüber den Psych-Leuten, danke Sonrisa, für das Wort, fühle mich mich so klein. Schuld und Scham verhindern, dass ich klar spreche. Irgendwann implodiere ich dann, weine und will nur noch weg. Wieder bei meiner Ärztin passiert. Ich konnte nicht klar sagen, was ich von ihr möchte, aus Angst, dass sie denke ich würde nur hinter einer Diagnose herjagen. Und oh man. Ich bin so müde davon. So müde vom klein sein, so müde vom Dämon im Kopf, der mich kaputt redet und so müde von all dem Kram. Von dem Hick-Hack mit der Klinik und den ambulanten Behandlern. Wer weiß was von mir? Wer schätzt mich wie ein und wer gibt mir welche Erkrankung… In mir sind so viele Dinge und Zustände, die ich niemals kund tat. Zumindest nicht bei meiner jetzigen Therapeutin, die jedoch da sind. Und je öfter ich in der Klinik bin, desto mehr merke ich, dass das andere Borderliner nicht haben. Immer und immer wieder denke ich an das, was mal eine Therapeutin sagte. Ego States. Es scheint so passig, doch wer bin ich mir selbst eine Diagnose zu geben. Wie kann es sein, dass eine einzige Diagnose wie Borderline so unterschiedlich in der Ausprägung sein kann. Es gibt Borderliner, die Dissoziieren nicht! Das hat mich sprachlos gemacht. Ich wäre sehr froh, wenn es die diskutierten Symptomniveaus mal in den ICD schaffen würden. Ich bin müde von all dem. Vom nicht reinpassen, vom schweigen müssen, vom schämen, vom schuldig sein. Am Ende weiß nur meine Ärztin das Meiste. Und just am Donnerstag bin ich bei ihr weinend ausgerastet. Warum und wieso??? Weil sie immer auf die Krankmeldung PTBS schreibt und andere Dinge. Die mir die Klinik dann nicht in den Brief setzt. Nun muss ich meine Rente verlängern und frage mich so nebenbei, ja was habe ich denn nun???

Mir wurde schon vieles gesagt und wieder gestrichen. Und am Ende traue ich mich nicht mehr offen zu sein. Wegen der vergangenen toxischen Freundschaft wird mir sowieso keiner mehr glauben. Ich bin wohl einfach verrückt. Wenn ich es greifen könnte. Irgendwie scheint es mehr, als nur das Borderline zu sein, oder ich habe fast alle Nebensymptome mitgenommen. Dass ich es nicht verstehe, macht mir Angst. Ich habe keine Erklärung mehr für mein Erleben. Es beschämt mich auch zu sehr es anzusprechen, ich produziere das ja sicher nur. Doch es ist da. Und ich verstehe es nicht.

Wie kann hinter einem so kurzen Wort, so viel Leid, Symptome und Kummer stecken???

Ich bin müde davon mich immer und immer wieder erklären zu müssen. Immer und immer wieder. Ich bin so müde davon. Meine Ärztin glaubt mir und dem „Missbrauch“ darf ich es so nennen? Und spricht von Traumabehandlung. Wee lustig, wenn ich doch keines habe. Ich weiß ja nicht welche Leier da angesprungen ist, aber langsam wird es lächerlich in meinem Kopf. Ich bin müde von der Therapie und müde vom reden. Ich wünschte ich könnte auf das Thema einen Deckel machen und für immer zu lassen.

Im Hier und Jetzt

Montag werde ich aus der Klinik entlassen. Dass ich hier schrieb, ist nun eine Weile her. Es ist viel und auch wenig passiert. Ich war sehr oft neben der Spur und kriege die erste Zeit in der Klinik kaum noch in eine Reihenfolge.

Ich möchte für die lieben Kommentare und für eine ganz liebe E-Mail danken, ich werde hier es sicher noch schaffen zu antworten.

Ich hatte mich komplett verrannt in meiner Scham und nicht Da- Sein dürfen. Ich darf nicht in der Klinik sein, da ich schon so viel Therapie gemacht habe, dass ich es doch besser wissen müsste. Und so schraubte ich mich immer tiefer in die Schamfalle und konnte auch nicht mehr richtig um Hilfe fragen. Ich wollte auch kein Drama machen. Doch die Anspannung war grundlegend viel zu hoch und je mehr ich nicht mehr weiter wusste, desto mehr lief ich die Gefahr dann doch Drama zu machen. Ich sah auch überall nur Ablehnung, Wut und Hass. Die Patienten mögen mich sicher nicht, wie auch, und die Pfleger lachen sich kaputt über mich. Jetzt denkt sie sich also Missbrauch aus, nein wie lustig.

Ich kürze das Ganze mal ab. Im Prinzip lenkte ich mich mit dem Schamdrama so sehr ab, dass ich das Kernproblem ja nicht zu beschauen brauchte.

Ich war hoch angespannt, überfordert mit Gefühlen, Flashbacks, Intrusionen, Schreckheftigkeit und Angst. Überall Angst und Überforderung. Ich konnte und kann auch noch immer kaum geradeaus denken.

Ich stellte also den Notfallkoffer um, Treppenrennen, Kalt Duschen, Chilli-Bonbons. Ich schrieb Gefühlsprotokolle und übte BVs. Die Meisten klappten. Bei einem kam ich kaum klar und lebte mein Hochrisikoverhalten bis zu einem fast Unfall aus.

Ich lief innerlich Amok. Und je mehr ich mich mit mir Selbst beschäftigen musste, desto mehr setzte sich aber auch in mir was zusammen.

Ich ging die Probleme auf der Arbeit an, den Druck und das Empfinden, dass ich nicht so sein darf, wie ich bin. Während es andere schon sein dürfen. Eine Lösung kam hier nicht so direkt raus, doch ist nun endlich im Kopf, dass mein Arbeitsplatz mir sicher ist. Immer. Auch als Sozialversicherungspflichtige Person. Darauf baue ich nun. Ich darf und muss mich aus Stress raus halten und mich auch nicht so sehr aufopfern für das Kaufhaus, dass meine Gesundheit schwindet.

Auch dürfen meine Therapeutin und Ärztin mit der Klinik sprechen und um ggf gezielte Aufenthalte zu fragen, mit klarem Auftrag, wie etwa Medis eindosieren oder etwas besser verpacken.

Das sind die Dinge im Hier und Jetzt, die mir helfen.

Doch auch mein ehemaliger Bezugspfleger, gab mir sehr viel Halt. Ich durfte mit ihm sprechen und er sprach offen, als „alter Weggefährte“ wie er es nannte. Niemand vom Team verurteilt mich auf der Station, ich tue es allein. Sie wollen mir helfen. Sie sind da für mich. Sicher ich könne anstrengend sein, doch dies ist die Krankheit. Sie glauben an meine Selbstverantwortung. „Hören sie auf zu Zweifeln.“

Je mehr ich also da war, desto mehr wurde mir klar, was in mir ist. Allein meine Angst gesehen zu werden, wenn man mich sieht, ist das gefährlich. Meine Panikreaktion bei allem was das Thema betrifft, die Schreckheftigkeit, die Träume, die Bilder, das Körpergefühl. All diese Zustände, wenn sie Vergangenheit und Gegenwart mischen und ich mich im Kopf nicht mehr allein fühle.

Ich war völlig ehrlich, sprach die Stimmen an, sprach meinen Wunsch unsichtbar zu sein an, sprach einfach die Dinge an, die schon so lange in mir sind.

An einem Tag kam ein Satz in mir hoch. Ich war traurig, verzweifelt und so müde. „Warum glaubst du mir nicht?“ Ich hörte meine Stimme, meine Kinderstimme. Und immer und immer den Satz.

Irgendwann dann, war es der gleiche Tag? Kam ich zur Ruhe und wieder ein Satz. diesmal von mir? „Es ist so traurig, dass ich mir nicht glauben kann“

Und so drehte es sich weiter. Dem ehemaligen Bezugspfleger berichtet ich sogar, dass ich Kontakt mit IHM hatte, er sagt, er habe nichts getan. Er weinte, wie schlimm sein Leben sei, dass er sein Kind verlieren könne, wenn ich es sagte. Dass das Folgen hätte. Ich erzählte aber auch, das er vom ersten Übergriff nichts wusste und einfach meinte „Oh das habe ich gemacht, Scheiße echt mal, das tut mir leid.“

Warum Zweifel ich denn noch? Und die Antwort wuchs in mir. Keiner redete mir zu. man erklärte mir sogar, dass Borderliner wirklich Falsche Erinnerungen bilden können, ohne es zu wollen.

Ich drehte mich  im Kreis und lief in Panik. Immer weiter. Und dann kam, ich weiß nicht wann oder wieso, die bittere Erkenntnis. Ich zweifle lieber, als zu akzeptieren, was die Person tat, die ich so sehr liebte.

Ich weiß, dass er es tat. Nicht weil ich es sehe, die Handlung, nein, weil ich es spüre, weil ich die Panik, die Todesangst spüre, weil ich mich warten fühle und bete, es möge niemand in mein Zimmer kommen. Er tat es. Ich weiß nicht wie oft, ich weiß nicht wie, doch er war in mir. So oft. Im Schlaf, in der Nacht. Dann wenn die Welt schlafen geht oder gerade erwacht. In meinem Kopf passt wenig zusammen. Da sind Bilder, die andere Bilder verbergen. Doch dies alles ändert nichts an der Tatsache, dass er es regelmäßig tat…. Über vielleicht Jahre? Ich kann es nicht greifen. Ich weiß es, doch will ich keine Antwort erzwingen. Er tat es, über lange Zeit. Mehr muss ich nicht von mir selbst wissen. Die Zeit wird mir mehr zeigen.

Und ich konnte dies mitteilen. Und ich flüsterte „Lieber zweifle ich, als der Wahrheit ins Gesicht zu sehen.“

Mein Bezugspfleger aber meinte trocken „Ist ihnen aufgefallen, dass Niemand hier ich Aussagen anzweifelt?“

Am Ende passt leider so manches zusammen. Vor allem meine Reaktionen in der Vergangenheit, meine tiefe Abneigung und Ekel vor körperlichen Kontakt zwischen den Geschlechtern. Mein Hass auf die Körperteile, die mich zur Frau machen.

Manchmal ist alles so weit weg, dann denke ich nur, kann nicht sein, doch in solchen Momenten fühlt sich mein Leben als Ganzes fremd an. War ich Studentin? War ich dort zur Schule? Das war der Tag im Freizeitpark? Kann ja nicht sein. Dabei hängt die Urkunde des Masters of Arts an meiner Wand….

Zweifeln ist wohl mein Prinzip. Wenn die Wahrheit schlimmer ist, als mein Geist es fassen kann.

Nun. Ich weiß nun, dass die Klinik für mich da ist, dass es einen Weg geben kann und auch dass mir die Arbeit sicher ist. Ich sie nicht verlieren kann und man mich wirklich halten möchte. „Eine Investition in die Zukunft. Bis Zinsen kommen dauert es eben noch.“

Somit gehe ich Dienstag zur Arbeit. Verkürzt. Die Dame der Behindertenwerkstatt soll auch mit meiner Therapeutin sprechen, da sie ein altes Bild von mir aus der Akte hat und nicht das wirkliche Bild. Damit Dinge nicht verkehrt gesagt werden, kein Öl ins Feuer gegossen wird.

Und dann merke ich, dass mein Leben im Hier und Jetzt echt lebenswert ist, Trotz allem. Ich habe sogar wieder meine Eltern. Und der Wunsch meine Wohnung umzugestalten wächst ebenso, wie das Verlangen shoppen zu gehen.

Ich lebe, trotz allem.

Im Abgrund

Es wird und wurde schwerer, immer schwieriger. Ich schweige darüber, ich versuche zu kämpfen, aushalten. Ich sehe Bilder und Filme, mein Körper erlebt es wieder. Ich mache weiter. In mir schreit es und es setzt sich immer mehr eine merkwürdige Gewissheit zusammen. Ich wünschte es wäre anders. Ich wünschte ich wäre nur eine bescheuerte Dramaqueen, die sich das alles einbildet, es produziert hat, damit ich ein verdammtes Trauma für eine verdammte Diagnose habe. Während ich dies schreibe tut es so unendlich weh in mir. Also ob es so wäre. Ich weiß, was ich weiß. Der Horror ist wahr. Ich brauche keine Beweise und Fakten. Wozu noch. Es ist alles so unreal. Als würde all dies nicht wirklich passieren. Ich zerfließe. Dies ist nur der Traum in einem Traum. Ich bin im Abgrund, schon längst. Die Gedanken sind negativ und kreiselnd. Ein Teil von mir schmiedet Pläne. Es gibt keinen Ausweg mehr. Kein Leben mehr. Warum auch.

Meine Therapeutin sieht die Instabilität und möchte, dass die Klinik mit mir zusammen den Inhalt der Erinnerungen beschaut, da es ambulant nicht geht. Die Klinik will dies nicht leisten. Es wird nicht inhaltlich gearbeitet und ich stehe da und sehe keinen Weg mehr. Ich bin über dem Limit. Über dem, was ich leisten kann. Ich war heute nach dem Urlaub wieder arbeiten, es geht nicht, alles tu weh, jedes Wort der Kollegen, jedes Problem scheint wie ein Schwert. Darum gehe ich zur Krise in die Klinik, auch wenn ich weiß, dass sie mir kaum das geben können, was ich brauche. Ich habe noch einen Funken Hoffnung, so etwas wie Hoffnung. Ich möchte doch Leben, möchte es doch. Es ist nur ein solcher Kampf, ein solcher Schmerz. Ich ertrage es nicht mehr, wann wird es besser? Wann nur? Wann nur?

Ich bin so müde. Und wenn die Erinnerungen kommen, die Körperempfindungen, immer und immer wieder, dann kann ich einfach nicht mehr, kann es nicht aushalten.

Ich wünschte mein Wissen wäre falsch. Wünschte es wäre nur die Show einer Dramaqueen. Doch…

Wird die Klinik mir helfen wollen, mir glauben, mir zuhören?

Mein Wissen über das Grauen, habe ich mit keinem teilen können, die Worte können meinen Mund nicht verlassen, es geht nicht. Ich bin ein zitternes Bündel. Ich kämpfe mich durch, feierte am Samstag meinen 30igsten Geburtstag. Ich tue alles um das irgendwie alles aufrecht zu erhalten. Doch ich kann nicht mehr sagen, mir geht es gut, wenn es nicht stimmt. Kann mich nicht an den guten Momenten hochziehen, wenn doch in mir alles tobt. Ich kann es nicht mehr ausblenden und verstricke mich in meinen Gedanken. Ich bin halt einfach zu blöd mir zu helfen, mache ich Drama? Bin ich weinerlich? Zu schwach? Nutzlos. Ist ja doch nieee was passiert, war alles gut…. Ja haha wenn, ja wenn. Ist aber nicht. Verdammt, dass kann alles nicht wahr sein, das kann nicht real sein. Das kann nicht mein Leben sein, dass kann nicht sein, nein nein nein.

Und meine Therapeut inhat ein schlechtes Gefühl. will nicht, dass ich auf ein falsches Pferd steige, der Schaden wäre groß. Sie redet von den hypothetischen Inhalt der Erinnerungen. Und nun, was nun? Sie ist auf meiner Seite, will mir helfen und sie glaubt mir, sie möchte mit mir gucken, was da ist. Es ging am Anfang alles so schnell. Einfach weil da es noch hieß die Gelder aus dem Fond würden auslaufen. Und so leitete ich alles in die Wege. Dachte es muss eine Antwort. Mittlerweile bereue ich alles. mich zu erinnern ebenso, wie meine armseligen Versuche drüber zu sprechen. Es ist nur Leid. Ein giftiges Fass ohne Boden. Ich weiß nicht mehr, wo ich stehe. Was nützt es, wenn ich die Wahrheit kenne, wenn niemand da ist, der mir hilft sie zu tragen? Ich bin so zerfahren. Doch da ist noch die Hoffnung, ein kleines bisschen Hoffnung. Zu viel erreicht, zu viele gute Momente, zu viele Dinge, die mir etwas bedeuteten. Ich träume vom Leben und wünsche mir den Tod, einfach weil ich keinen Weg mehr sehe. Kein verdammter Weg. Doch da ist noch Hoffnung. Und darum gehe ich morgen in die Klinik und biete um eine Idee für einen Weg. Denn ich sehe keinen mehr. Und meine Therapeutin ist nun im Urlaub und tja nun. Ambulant ist es sehr riskant gerade, sie würde sich einen sicheren Ort wünschen, um das verdammte Giftfass zu betrachten. Doch gibt es so einen Ort für mich? Ich kann leider so den Alltag nicht mehr tragen. Heute stand ich so oft vorm Heulkrampf auf der Arbeit. Bei der Therapeutin ein drohender Krampfanfall. Es geht immer ein wenig, bis jeden Tag mehrmals ein Loch kommt. Und dieses Loch hat kein Licht. Ich bin im Abgrund, wie komme ich da bitte wieder raus????

Durchlässig

Die Woche war bis jetzt sehr komisch. Am Montag in der Therapie sprach ich das Problem an, dass ich die Erinnerungen, Bilder, Gefühle und das Wissen der Taten meines Bruders, nicht mehr fern halten kann, dass sie mich überrollen und einnehmen, ob ich will oder nicht. Wenn es Abend wird, doch vor allem Nachts, wenn ich zu Bett gehe. Ich werde jünger und jünger und liege dann als Kind im Bett im Körper einer Erwachsenen. Es sind keine Flashbacks, ein Teil von mir ist immer im Hier und Jetzt. Mein erwachsenes Bewusstsein ist dann ganz weit hinten und das Kind regiert meine Gedanken und Gefühle. Ich bin dann das Kind und doch auch der Rest der Erwachsenen. Es ist kein Flashback. Es ist ein doppeltes Bewusstsein in mir. Und so kann ich mit dem Kind reden und ihr immer sagen, das wir groß sind. Besonders mies ist es dann, wenn der Dämon mitmischt und mir Angst machen will oder eine Stimme mich dann noch auslacht und schreit, alles nie gewesen, blanke Einbildung. Es ist dann ziemlich voll in mir.

Und während ich das meiner Therapeutin schilderte, stieg ein Bild aus dem Kinderzimmer in mir auf mit einer starken Kraft, wusste ich es plötzlich. Ich wusste es einfach, das ganze Ausmaß.

Ich war fassungslos und die Tränen kamen mal wieder. Nach der Therapie fand ich kaum den Weg nach Hause, ich erkannte meine Stadt kaum. Und bis denn gestern abend verbrachte ich die Zeit ohne Gefühle, völlig taub und mit massiven Selbstmordfantasien. Ich behielt die Oberhand und machte den Alltag, überlebte, kochte, putze und häkelte. Erst als mein bester Freund kam und mich im Arm hielt, fing ich an zu weinen. Es hörte nicht mehr auf. Doch nach einer Weile wurde es besser und ich konnte wieder lachen. Wir gingen zu Yomaro, aßen Frozen Joghurt. Ich konnte wieder fühlen und war wieder im Hier und Jetzt. Doch seit Montag kann ich es nicht mehr deckeln. Es ist unter der Oberfläche, ich habe Bilder und breche spontan in Tränen aus. Ohne Grund. Am Abend traf ich noch eine langjährige Freundin und konnte weiter in die Jetztzeit kommen. Und merken wie lebenswert mein Leben jetzt ist.

Doch etwas ist anders. Mich begleitet ein tiefer Schatten, schwer liegt er auf mir und wohl jetzt erst ist mir bewusst geworden, was wirklich war. Drei Jahre sind eine lange Zeit und nun spüre ich, dass es wohl regelmäßig passierte. In der Nacht, als ich schlief, oder so tat als ob. Es passierte immer und immer wieder. Und jedes Mal vergaß ein Teil es wieder. Wie kann das nur sein??? Bin ich vielleicht verrückt? Oder gibt es in mir einen Teil von mir, der nur dann wach war, wenn es passierte und es dann erlebt, wieder schlief und ich dann einfach ich sein konnte?

Es macht mir Angst. Was passiert da in mir? Wie konnte das passieren? Was stimmt nicht mit mir????

Ich bin nicht Viele. Da sind sich meine Therapeutin und langjährige Psychiaterin sicher. Doch ich bin auch nicht Eins. Ich bin was auch immer. Eine Erwachsene mit einem Kind in mir, dass einen Namen hat, ein Eigenleben und mit dem ich reden kann. Es macht mir Angst. Doch es erklärt, warum ich 20 Jahre so damit leben konnte und nach außen auch ein fröhliches Kind war. Ich denke es so zumindest, ob es stimmt, wer weiß. Ich verstehe es nicht, kann es nicht begreifen und nicht beschreiben. Doch ich spüre immer mehr dieses andere Bewusstsein in mir, diese geschundene Seele, sie ist ich und dann auch nicht. Sie kennt nur das Grauen und nur die Dunkelheit. Sie hat nie gelacht. Und ich fühle mich schuldig, dass sie damit so allein ist. Es tut so unglaublich weh. Wie konnte ich sie nicht bemerken, oder schützen. Es ist so verrückt. Ich bin doch nicht verrückt, ich bin doch eins. Ein Einsmensch. Wie kann das dann sein. Und wieso spüre ich immer mehr, wenn meine Gefühle eigentlich ihre sind, meine Ängste ihre und ihre Gedanken meine einfärben. Was passiert da mit mir? Was ist das?

Und bitte bitte kann es endlich aufhören, ich will die Bilder nicht mehr sehen, will das Wissen nicht haben, ich höre sie schreien und weinen. Und dann höre ich ein Lachen. Nie passiert. Ich werde noch verrückt.